Wer hat denn die gewählt?

9 06 2012

Das die Sprache von Politikern von einer unsäglichen Diktion ist: hinlänglich bekannt.. Wir sind darauf trainiert, diese völlig inhaltsleeren Fähnchen-im-Wind-Phrasen zu überhören. Geschenkt – wie man heute salopp sagt.

Hinhören sollte man aber, wenn Politiker Sätze sagen wie Peter Ramsauer:„Unsere Vorstellungen von Demokratie und Menschenrechten sind nicht einfach eins zu eins auf Länder in anderen Weltregionen übertragbar. Das gilt auch für Syrien.“ Welche Gedanken dem Mann durch den Kopf gehen im Hinblick auf die weitere Ausplünderung des Autofahrer-Portmonnaies mag noch hingehen. Das er einen Grundsatz unserer Demokratie über Bord wirft „Die Menschenrechte sind unteilbar“ ist hingegen nicht mehr tolerierbar.

Oder nehmen wir diese Lachsalve von Claudia Roth: „Mit Atomenergie kann man im Winter nicht heizen.“ Dem ein Mittagessen, der etwas noch blöderes ausgräbt.

Einer geht noch, auch von Claudia Roth: „Nachhaltig heißt aber auch, dass ich nicht nur nach morgen gucke, sondern ich erinnere in die Zukunft.“

Na ja, da erinnere ich mich lieber an die Vergangenheit, als noch niemand politisch-korrektes Gefasel hören wollte, als mein Opa zu sowas noch sagte „Wer hat denen denn ins Hirn geschissen?“

Es war wirklich nicht alles schlechter früher.

(alle Zitate mit Dank von Michael Miersch aus seiner Auflistung entnommen „Die talkende Klasse“ .. der ganze Artikel hier …)





Der ewige Weltuntergang

9 05 2012

An nichts empfindet der heutige Mensch so viel Freude, Lust und Gier wie am Weltuntergang. Nichts kann furchtbar genug sein um die verloren gegangenen christlichen Höllenqualen angemessen zu ersetzen.

Auch wenn kaum etwas von den Endzeitszenarien jemals eingetreten ist- wie zum Beispiel das Waldsterben oder die in den siebziger Jahren prognostizierte neue Eiszeit – tut es dem Glauben keinen Abbruch. Die „Church of Horror“ ist immer vollbesetzt .

Zu den beliebtesten Gruselpredigern zählt der Club of Rome. Er hat schon vor 40 Jahren die phantastischsten Alpträume an den Himmel gemalt, denen sich die Menschheit gegenüber sehen wird – und wahrscheinlich an politischen Fehlentscheidungen schuldig wurde, deren Ausmaß die Billionen weit überschreitet. Natürlich war alles Käse, aber was soll es. Nach 40 Jahren sind die Storys vergessen und man kann nachlegen, als wenn nichts gewesen wäre. Und nun wird wieder ein Szenario entworfen – und natürlich von den dankbaren Medien auch breitgetreten – dass fernab von allen wissenschaftlichen Grundlagen das Glaubensbedürfnis der Kirchengemeinde bedient.

Der besondere Trick der Prediger liegt auch darin, dass man einen Zeitraum für das Eintreten des Grauens wählt, der soweit in der Ferne liegt, dass man mit den Folgen der Vorhersagen nie mehr in Verbindung gebracht werden kann. Wer erinnert sich denn noch an die erste Räuberpistole des Club of fiction?  Und der jetzige Bericht wird auch vergessen sein, sobald das nächste Ei mit erhöhten Dioxinwerten gefunden wird.

„Nachhaltig“ möchte die gläubige Schar alles und jedes machen – die Welt soll dank unseres sorgsamen Umganges mit den Ressourcen völlig intakt den Enkeln übergeben werden. Nur bei einem der wichtigsten Themen möchte man an diese Nachhaltigkeit nicht erinnert werden:

Wir geben schon unseren Kindern einen Schuldenberg weiter, der niemals wieder abgezahlt werden kann. Diese gruseligste aller Gruselgeschichten kann merkwürdigerweise keinen der Gutmenschen schaudern lassen. Dieses so naheliegende Problem macht keine Angst, was in 100 Jahren passieren könnte, macht hingegen beständig „betroffen“. Da treffen sich Dummheit, Selbstsucht und Scheinheiligkeit.

Eines ist sicher: die Karawane des Grauens wird weiterziehen. Ob Fata Morgana oder reale Bedrohung? Wen interessiert`s?

 

 





Der Hartz-IV-Irrtum

4 05 2012

Nirgendwo wird so beständig Mitgefühl mit Sentimentalität verwechselt wie in der Sozialpolitik. Bislang ging das gut. Weil Deutschland ein reiches Land ist.

Jan Fleischhauer hat sich auf SPIEGEL-Online Gedanken gemacht zu der absurden Haltung der Deutschen zu Hartz-IV und der Frage, wie lange wir noch die Augen schließen können. Die ganze Kolumne hier …

„Deutschland ist ein reiches Land, deshalb konnte es sich bislang die Pazifizierung seiner Unterschicht durch Geldtransfers leisten. Rund 50 Milliarden geben Bund und Kommunen im Jahr für Hartz-IV aus, wobei nur die Hälfte an die Empfänger als Geldleistung fließt. Die andere Hälfte geht in die diversen Umschulungs- und Bildungsmaßnahmen, denen sich jeder Hartz-IV-Empfänger von Zeit zu Zeit unterziehen muss, um seine Ansprüche zu wahren. Wer die Mechanismen des deutschen Sozialstaats kennt, sieht sofort, dass hier viele Interessen im Spiel sind.

Zum Glück gibt es immer noch genug Menschen, die lieber arbeiten gehen, als Zuhause ihre Tage zu vertrödeln, auch wenn sie davon finanziell nicht wirklich etwas haben. Wer heute als Vorstand einer vierköpfigen Familie an der Ladenkasse steht oder Umzugskisten schleppt, könnte morgen den Job quittieren, ohne dass er schlechter da stände. Auf 1800 Euro belaufen sich derzeit die Zuwendungen für einen Hartz-IV-Haushalt mit zwei Kindern – sind mehr als zwei Kinder im Haus, sind es noch einmal deutlich mehr.

Die Realitäten des vereinten Europas könnten allerdings dazu führen, dass diese Form der Sozialpolitik schon bald an ihre Grenzen stößt. Was hierzulande als Leben unterhalb der Armutsgrenze gilt, ist in anderen Teilen ein Stück vom Paradies. Im SPIEGEL stand neulich ein ausgezeichneter Report über die Zuwanderung aus den Armenhäusern in Rumänien und Bulgarien, die erst seit ein paar Jahren ebenfalls EU-Mitglieder sind. Die wenigsten machen sich eine Vorstellung, welche Dynamik hier in Gang gesetzt wurde.
Wer darauf hofft, dass man den neuen Mitbürgern die Leistungen streichen könnte, hat die Rechnung ohne den Europäischen Gerichtshof gemacht. Dieser Diskriminierung haben die Richter vorsorglich den Riegel vorgeschoben: Der Sozialsatz in Deutschland ist für alle gleich, egal ob sie aus Neukölln kommen oder einem Armendorf in der Nähe von Bukarest.“

Armut ist unteilbar, das gilt auch für Hartz IV.





Schockierende Gift-Bilanz der Energiesparlampe

22 04 2012

Wolfgang Röhl: Wenn 3sat ein Licht aufgeht. Ein kleines

Schön, dass ausgerechnet der öffentlich-rechtliche Sender 3sat das faktische Glühlampenverbot in der EU kürzlich hart attackierte. Indem er eine, durch viele Expertenaussagen gestützte, derart schockierende Gift-Bilanz der Energiesparlampe aufmachte, dass ich die einzigen beiden Pseudo-Ökofunzeln, die bei mir im Hausinnern brannten, stante pede rausgedreht und durch herkömmliche 60-Watt-Birnen ersetzte. Von welchen ich mir ein paar hundert Stück ins Regal gelegt habe, zum Glück. Denn die Energiesparfunzeln emittieren offenbar auch in intaktem Zustand schädliches Zeugs; nicht erst, wenn sie runterfallen und zerbrechen. Abgesehen davon, dass ihr Quecksilber schon bei der Herstellung Menschen kontaminiert.

Natürlich wäre das Staatsfernsehen keines, würde es nicht souverän den Hauptpunkt verpassen. Kaum zu bezweifeln zwar, was der Beitrag hübsch aufdröselte: die Lobby der Leuchtmittelproduzenten hat in Brüssel ganze Arbeit geleistet. Hat die EU-Kommissare so lange bearbeitet, bis diese die Produktion von leuchtenden Giftcocktails absegneten. Mit dem Ergebnis, dass Osram & Co. sich an der Massenproduktion neuer Leuchtmittel dumm und dämlich verdienen.

Fragt sich der Normalverbraucher bloß: Wie konnte die Industrie in Brüssel so genial durchmarschieren? Selbstredend konnte sie das einzig und allein vor dem Hintergrund der hoch und höher geköchelten Öko-Hysterie, die in jeder gesparten KWh einen Riesenfortschritt erkennt, welcher die Welt zu retten vermag. Wegen der Reduktion des furchtbaren CO2-Ausstoßes, welcher wiederum die Erderwärmung… you name it.

Einzig das langjährige Flächenbombardement der Bevölkerung und Entscheidungsträger mit grünen Horrorszenarien, das permanente Weltuntergangsgeraune, all das Warn- und Mahngetröte hat die Grundlagen dafür gelegt, dass eines der – selbst nach EU-Standards – idiotischsten Gesetze aller Zeiten ohne nennenswerten Widerstand durchgepeitscht werden konnte.

Doch davon kein Wort im Drei-Länder-Sender. Industriebashing geht da immer. Kritik an der Kirche zur grünen Einkehr geht gar nicht.

Die 3sat-Sendung „Ausgebrannt – vom Ende der Glühbirne“ in der Mediathek:





Buchtipp des Monats: „Die Stunde der Dilettanten“

4 04 2012

Thomas Rietzschel, früher Kulturkorrespondent der FAZ, hat mit „Die Stunde der Dilettanten“ ein Buch aufgelegt, bei dem man glauben könnte, es sei wie „Nieten in Nadelstreifen“ – kennen wir eh alles.

Zugegeben: Seit Enzensbergers „Mittelmaß und Wahn“ gab es der Beschreibung des Niedergangs eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Eventuell noch, dass die Bewegungsrichtung der Entwicklung weiter mit starkem Gefälle nach unten geht. Trotzdem ist es Rietzschel aus meiner Sicht gut gelungen, in heiterem Ton dem Wahnsinn Gestalt zu geben: Nichtwissen schadet nicht nur nicht, es nutzt in allen politischen und öffentlichen Aufgaben. Es ist Voraussetzung geworden, um ein öffentliches Amt würdig auskleiden zu können oder als „Medienschaffender“ schwadronieren zu dürfen. „The show must go on“ – schreibt Rietzschel. Das ist das ganze und das ganz banale Geheimnis, das sich hinter hektisch zusammengeschnürten „Bildungspaketen“, „Regelsatzerhöhungen“ (und „Rettungsschirmen“, darf man nicht vergessen) und eilig einberufenen „Ethikkommissionen“ ebenso verbirgt wie hinter der Partypräsenz von Klaus Wowereit oder den Berufspraktika, die die Grüne Renate Künast für einen Tag auf den Bauernhof, den Linken Gregor Gysi auf den Bau und die Liberale Sabine Leutheusser-Schnarrenberger in den Kindergarten führten, vor laufender Kamera, versteht sich.

Völlig unbeschwert von jedem Wissen agiert die politische Klasse inzwischen zu allen Fragen, die unser zukünftiges Leben bestimmen werden: Ausbildung, Energie, Gentechnik, Gesundheit, Wissenschaft und Forschung. Einwanderung. „Jeder kann, soll und darf alles“ schreibt Rietzschel. „Es geht zu, wie weiland im Kinderladen“. Und von dort kommt ja auch nicht selten das heute handelnde Personal. Jeder kann, soll und darf – und warum sollen dann nicht auch die Piraten mal auf Kosten der Allgemeinheit in den Parlamenten üben, sich mal an kommunalen Haushalten versuchen? Vielleicht geht es gut und wenn nicht, mein Gott, hätten es die anderen besser gemacht? Wenn am Ende alles in Trümmern liegt bleibt doch die Erkenntnis: es war alles gut gemeint. Und wer wollte da böse sein.

Dank der Fähigkeit Rietzschels, die Tragödie niederzuschreiben als Komödie kommt man aus den 253 Seiten zumindest ohne größere seelische Schäden heraus. Was man mit dem neuerworbenen Wissen anfangen kann, weiss ich allerdings auch nicht.

Thomas Rietzschel, „Die Stunde der Dilettanten“, wie wir uns verschaukeln lassen, Zsolnay.





Das Schlecker-Paradox

30 03 2012

Erinnert sich noch irgendjemand daran, wie eine Front aus Gewerkschaft und Roten und Grünen zum Boykott von SCHLECKER aufgerufen hat? Von wegen beschissene Löhne und dem Betriebsklima und so? Und alles war so doll unmenschlich. Und jetzt weinen die Mitarbeiter, das der Staat doch bitte diese Idylle am Leben halten soll und die gleiche unselige Melange, die vorher so tolle Zivilcourage gezeigt und sich mutig gegen die Unterdrückung bei SCHLECKER und die ganze gesellschaftliche Kälte gestellt hat, schreit jetzt am lautesten „Haltet den Dieb“ mit dem Finger auf die FDP. Und jetzt soll wieder mit Steuermillionen eine warme, kuschelige Illusion geschaffen werden, eine Illusion, die natürlich auch nicht lange hält und dann ist zwar das Geld weg – aber es war doch für einen menschlichen Zweck. Man sieht, für Naivität, Dilettantismus und Nichtwissen braucht es die PIRATEN garnicht, das geht voll und ganz mit den bisherigen Schaustellern.

Langt das Gedächtnis nicht mal mehr für einen Zeitraum von wenigen Monaten?





Freibier für alle!!

28 03 2012

Inzwischen ist keine Forderung mehr blöde genug, um nicht plakatiert und als ernstgemeinter Beitrag zum politischen Diskurs hinausgeschwafelt zu werden. „Reichtum für alle“ forderte die Linke im letzten Wahlkampf – wer solche Sätze zum Druck freigegeben hat, hatte sicher die aktuelle Forderung der Piraten nach „Freigabe aller Drogen“ für sich selbst schon längst umgesetzt.

„Frei“ ist sicher das Wort des Jahrzehnts. Und zwar ausdrücklich im Sinne von „Frei von jeder Verantwortung“ und befreit von allen lästigen Verpflichtungen eines in eigener Verantwortung geführten Lebens.

Milton Friedmann, einer der angesehensten Nationalökonomen, hat den berühmten Satz gesagt: „There is no such thing as a free lunch“. Auf deutsch könnte man salopp sagen: „Freibier gibt es nicht“.

Warum? Ganz einfach: weil irgendjemand für die Zeche einstehen muss. Irgendjemand wird bezahlen (müssen).
Darüber sich Gedanken zu machen ist sicher zu viel verlangt von den Schwadronierern. Es klingt doch alles so fair und gerecht: kostenloses Internet, kostenlose Gesundheitsversorgung, kostenloser Nahverkehr, kostenlose Bildung, kostenlose Kindergärten – die Reihe darf jeder nach eigenem Gusto fortführen, fühlen Sie sich so frei. Wer da zum Nachdenken auffordert, kann nur „rechts“ sein, sehr beliebt und fast noch schlimmer „neoliberal“, kalt und geizig – denn nur links schlägt das Herz für all das Gute in der Welt.

Die alte Gastwirtsregel „Wer bestellt, bezahlt“ soll am Ende außer Kraft gesetzt werden.
Ich jedenfalls habe den Wahnsinn nicht geordert, am Ende steht der Kellner aber an meinem Tisch mit der Rechnung. Grausige Wirklichkeit.








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